Museen Weißenburg

Ein zweites Kastell in Weißenburg ?!

Wusstet ihr, dass es in Weißenburg zwei Kastelle gibt?
1976 wurden vom Pionier der bayerischen Luftbildarchäologie Otto Braasch 1,6 km östlich des Steinkastells Biriciana, die Doppelgräben eines zweiten Lagers entdeckt – nur knapp 75 m neben einer ebenfalls neu entdeckten Keltenschanze der Spätlaténezeit.
Das Holz-Erde-Kastell wurde zwischen 1979 und 1991 in sechs Grabungskampagnen durch die Römisch-Germanische Kommission (C.-M. Hüssen) vollständig untersucht. Das Lager war 234 m x 156 m (3,65 ha) groß, von zwei Spitzgräben umschlossen und besaß vier doppelspurige Tore, die durch kurze vorgelagerte Gräben gesichert waren. Die Umwehrung bestand aus einer Rasensodenmauer mit aufgesetzter hölzerner Brustwehr. Von der Innenbebauung konnten nur 16 leichte Baracken nachgewiesen werden. Von zentralen Gebäuden waren keine Spuren zu erkennen. Die leichte Bauweise, das Fehlen einer Innenbebauung und die Rasensodenmauer sprechen für eine temporäre Nutzung der Anlage.
Doch wer war hier stationiert? Ihr erinnert euch bestimmt noch an den Weihestein aus dem RömerMuseum, der von der IX Batavorum gestiftet wurde? Es wird vermutet, dass diese Einheit – ganz oder in Teilen – nach der Mitte des 2. Jhs. von Ruffenhofen als Ersatztruppe nach Weißenburg kam, um die zum Einsatz in den Partherkriegen abgezogene Ala I Hispanorum Auriana zu ersetzen. Nach deren Rückkehr im späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert kehrte sie wohl wieder nach Ruffenhofen zurück.
Im Rahmen der Auswertung der Grabungen entstand im Auftrag der RGK ein Modell des Kastells „Auf der Breitung“, das sich heute im Stadtmuseum Ingolstadt befindet. Letztes Jahr wurde im Rahmen des Colloquium Biricianis 2019 die Abschlusspublikation von C.-M. Hüssen vorgestellt.
Zu sehen ist heute leider nichts mehr – weder von der Keltenschanze, noch vom Kastell. 1981 wurde mit dem Neubau des Kreiskrankenhauses (heute Klinikum Altmühlfranken) begonnen, das sich heute über einem Großteil der beiden archäologischen Stätten befindet.

Foto: Museen Weißenburg

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